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Budapester Rundschau
Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky

Ungarische Langhornrinder in der Puszta

Ungarische Langhornrinder in der Puszta

Zum Vergrößern bitte anklicken!
Foto: Eigen

 

Also nein, diese Ungarn!

 

 

"Was darf es sein?
Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky / Glossen zweier ungarischer Journalisten aus "Budapester Rundschau" seit 1971

 

Was darf es sein?
Was wünschen Sie?

Was befehlen Sie? ..........mit einer dieser drei Fragen, die ungarisch "Mi tetszik"? Mit óhajt? Mit parancsol?" lauten, wendet sich hierzulande der Ober an den Gast.

Und dieser beginnt die Bestellung mit der charmanten Anrede wie:"Legyen olyan szíves és hozzon...." (Seien sie so liebenswürdig und bringen Sie mir...)

Und der Ober geht, wenn er alles notiert hat, mit den Worten "Ahogy tetszik parancsolni..." (Wie es Ihnen beliebt zu befehlen...).

Das klingt im Ungarischen aber keineswegs devot, gespreizt oder übertrieben höflich, sondern ganz alltäglich. Im Gegenteil, man horcht erst auf, wo dieser selbstverständliche Charme ausbleibt, wo ein unfreundlicher, schlecht gelaunter Kellner einfach sagt: "Tessék kérni!" (Bitte bestellen Sie!)

Wenn ein Ungar das Wörtchen tessék (bitte) ohne jeden Zusatz gebraucht, dann hat er schlechte Laune, dann geht man ihm beser aus dem Weg oder widerspricht ihm zumindest nicht. Denn im allgemeinen steht hinter dem tessék das Verb parancsolni (befehlen, wünschen). Der Ungar ist also auch von der Sprache her ein äußerst charmanter Gastgeber. Er fragt nicht einfach:
Trinken Sie eine Tasse Kaffee?, sondern er setzt das Wörtchen tetszik voran, und seine Frage würde sich deutsch etwa so anhören: "Belieben Sie eine Tasse Kaffe zu trinken?"

Das "Wollen" treiben sie ungarischen Mütter ihren Kindern schon beizeiten aus. Ein ungarisches Kind "bittet" um ein Stück Schokolade, und die Frau fragt ihren Mann auch nicht: "Willst du noch ein Glas Wein?", sondern "Bittest du noch um ein Glas Wein?" Und selbstverständlich bittet der Mann darum. Nie wird er etwas haben wollen, ohne darum zu bitten.

Und wo es etwas Besonderes zu erbitten gibt, da hängt man an das "bitte" auch noch das "schön" an: "Kérem szépen". Dieses Bitteschön ist so sehr mit dem Ungarischen verwachsen, daß er beinahe jede Rede, egal ob zu Hause oder im Betrieb oder gar hinter dem Rednerpult, mit "kérem szépen" beginnt. Also: Bitteschön ....das wollte ich Ihnen noch sagen, daß wir darum bitten, sich bei uns ganz nach Belieben wohlfühlen zu wollen, damit wir dann das Glück haben, Sie bald wiederzusehen, bitteschön...."

Siegfried Brachfeld

Weitere Ungarn-Glossen von Siegfried Brachfeld unter dem Titel: "Warum ist die Krone schief?" sind beim PESTER LLOYD-Verlag erhältlich.


 

www.pesterlloyd.net/Verlag/Bucher/bucher.html

Die Veröffentlichung der Auszüge erfolgt mir freundlicher Genehmigung des Pesterlloyd, Budapest.