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Budapester Rundschau
Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky

Typische ungarische Salami und Schinken

Typische ungarische Salami und Schinken

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Foto: Mit frdl. Genehmigung von Frau Örtelt

 

Etwas von zu Hause / Salami und Schinken

 

Auszug:

Unter der Ägide des Weltverbandes der Ungarn werden im August in der "Vidàm szinpad" (Lustige Bühne), dem politischen Kabaretttheater, zehn Extravorstellungen für zu Besuch weilende Auslandsungarn gegeben, und zwar unter dem Titel:
"Egy kis hazai" (etwas von zu Haus).

Darunter verstehen die Ungarn ansonsten ausschließlich etwas Essbares: selbstgeräucherte Wurst, oder Schinken oder ein Stück Speck vom letzten Schlachtfest, im eigenen Garten angebaute Paprika, Tomaten oder Pfirsiche, oder ein paar frische Eier oder ein ganzes Brathähnchen, natürlich eins aus dem Hühnerstall daheim.


"Etwas von zu Haus" ist eben nicht irgend ein dahergelaufenes Huhn, auf dem Markt erstanden, und ebensowenig die allerfeinste Salami aus dem Delikatessgeschäft oder die aufgeschwemmte Leber einer fremden Gans aus der Markthalle - es ist das, was die Mutter gekocht, gebacken, gebraten hat, mit dem ganz speziellen Geruch und Geschmack von daheim.

 

Und all' das hat der Ungarn in der Nase, auf der Zunge, solange er lebt, das nimmt er mit sich, gleich, ob er von einem kleinen Dorf in die nächste Stadt oder in die Hauptstadt zieht oder sich gar irgendwo in der Welt niederlässt. Der vielgerühmte Duft der großen weiten Welt bleibt für einen Ungarn weit zurück hinter dem Duft gefüllten Krauts nach Szèkelyer Art. Man behauptet, das alles treffe heute nur noch auf die ältere Generation zu, die ihre Eindrücke noch von zu Hause mitgenommen hat. Aber wir hatten dieser Tage einen jungen, in Kanada geborenen Ungarn zu Gast. Nie zuvor sah ich ein Paprikahuhn unter so vielen begeisterten Interjektionen verschwinden. "Davon erzählt meine Mutter immer", sagt er, sich den Mund wischend, "nur machen kann sie es nicht." Es sei mir gestattet, angesichts des - statistisch nachgewiesenen - ständig steigenden Lebensmittelverbrauchs der Ungarn, Ludwig Feuerbachs bekanntes Wort abzuändern, "der Mensch ist nicht was er isst, sondern wie er ist". Hier kommt es eben auf das Wie an, wobei auch eine Rolle spielt, wie die Speisen gereicht und gegessen werden.

Jeder ungarische Hausherr wird, wenn er seinen Gast zum Essen auffordert, sagen: "Tessék, csak otthoniasan!" (Bitte halten sie es ganz wie zu Haus). Mit anderen Worten: Lockern sie sich! Und darum wir zunächst einmal ein Schnaps getrunken. Natürlich muß es ein echter "Barack" (sprich: Barazk!) sein, ein Aprikosenschnaps, sein. Selbstgemacht, versteht sich. Auch wenn er nicht selbstgemacht ist. Das spielt keine Rolle. Nur lockern sie sich! Und dann kommt die Vorspeise. Eine Hühnersuppe, mit selbstgemachten Nudeln natürlich. Auch wenn es nicht stimmt, so genau muss man es nicht nehmen. Noch ein Schnaps gefällig? Oh, der ist sehr gesund! Und macht Appetit, vor dem Essen, zum Essen und danach noch.

Wir nehmen immer schon morgens aus nüchternen Magen einen zur Brust....Das fördert die Verdauung und ......und ein langes Leben. Auch wenn es nicht stimmt. Nehmen wir noch einen Kleinen? Man darf nicht alles so genau nehmen....so todernst. "Wir leben nicht, um zu essen, sondern wir essen, um zu leben", sagte Sokrates oder Goethe...oder ich weiß nicht mehr genau, von wem das stammt, aber eigentlich könnte es ein Ungar gesagt haben.

Siegfried Brachfeld

 

 


Budapester Rundschau - Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky - Glossen zweier ungarischer Journalisten aus "Budapester Rundschau" seit 1971

 



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Die Veröffentlichung der Auszüge erfolgt mir freundlicher Genehmigung des Pesterlloyd, Budapest.