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Die Geschichte Ungarns
- entnommen: Andreas Oplatka - Der eiserne Vorhang reißt. Verlag NZZ, 1990

Burghauptmann Dobó István

Burghauptmann Dobó István bei der erfolgreichen Verteidigung der Burg in Eger gegen die übermächtige türkische Armee im Jahre 1552.

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Foto: Vörösváry, Pál / Ungarn

 

Buchtipp: Die Geschichte Ungarns

Der Eiserne Vorhang reißt
Dr. Andreas Oplatka
- der eiserne Vorhang reißt. Verlag NZZ, 1990


Ungarn als Wegbereiter
© 1990, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich
ISBN 3 85823 281 5
Printed in Switzerland
Das Buch ist mit Stand: Mai 2005 leider vergriffen
, aber bei Amazon.de als gebrauchte Exemplare erhältlich.
Mail:
buch.verlag@nzz.ch
Internet: www.nzz-buchverlag.ch

Wir danken an dieser Stelle sehr dem Verlagsleiter des NNZ Buchverlags Zürich Hans-Peter Thür für die freundliche Genehmigung, diesen - von Dr. Oplatka sehr gut recherchierten, historischen Ablauf der Geschichte Ungarns veröffentlichen zu dürfen.

An dieser Stelle möchten wir auch an den guten Ruf der Schweiz erinnern, die während des Ungarnaufstands 1956 vorübergehend ca. 14.000 Flüchtlinge aufgenommen hat und 7.000 meist gut qualifizierte Ungarn eine definitive Niederlassung in der Schweiz bekommen haben. Wir haben den historischen Text teils im Satzbau verändert, inhaltlich aber streng den historischen Daten des Originaltextes von Dr. Oplatka angelehnt. Leider ist das unumgänglich, weil die Suchmaschine Google unsere Seiten verständlicherweise "abstrafen" würde, falls der Originaltext irgendwann einmal online gestellt wird.

 

   
895/6
Heerführer Árpád begann mit der Landnahme im Karpatenbecken. Dem folgten Raubzüge in Westeuropa.
955
Auf dem Lechfeld folgte eine schwere Niederlage und beendete die Beutezüge. Ungarn wurde zur Sesshaftigkeit gezwungen.
972-997
Die Christianisierung beginnt unter Fürst Géza.
977-1038
Der erste christliche Herrscher:König Stephan
1061
Der letzte Heidenaufstand wird niedergeworfen.
1091
Kroatien wird durch Personalunion angegliedert
1222
Verankerung von Adelsprivilegien durch die Goldene Bulle von König Andreas II.
1301
Die Arpád-Dynastie stirbt aus:
Anjou-Könige: Karl Robert (1308-1342) und Ludwig, der Große (1342-1382 - er regiert in Personalunion mit dem König von Polen).
1387
Sigismund von Luxemburg wurde zum König gewählt (ab 1410 auch deutscher König, 1433 bis 1437 deutsch-römischer Kaiser [sein Todesjahr]).
1389
Die Serben erfahren eine Niederlage gegen ein türkisches Heer auf dem Amselfeld, danach wächst die Türkengefahr.
1444
Die Ungarn erfahren gegen die Türken bei Warna eine Niederlage. Tod des Jagiellonen-Königs Wladislaw I. János Hunyadi als Feldherr wird Reichsverweser. Er siegt über ein türkisches Heer 1456 bei Belgrad. Im gleichen Jahr stirbt er aber.
1458
Der jüngere Sohn von János Hunyadi, Mátyás, wird zum König gewählt. Er wurde ein starker König mit frühen absolutistischen Zügen. Er war ein Renaissancekönig und förderte die Künste und Wissenschaften. Unter ihm war Ungarn auf dem Höhepunkt seiner Macht.
1490
Mit dem Tod von Mátyás verfällt die Zentralmacht rasch. Die Nachfolger sind schwache Könige der Jagiellonen.
1514

Unter der Führung von György Dózsa bricht ein Bauernaufstand los. Er wird vom Adel mit grausamsten Maßnahmen unterdrückt. Die Vormachtstellung des Adels wird codifiziert und die durch den Juristen Werböczy definierte Rechtlosigkeit der Bauern reißt die ungarische Nation für Jahrhunderte in Klassen.

1526
Bei der südungarischen Stadt Mohács fällt die entscheidende Schlacht gegen die Türken. König Ludwig (Lajos) II. stirbt. Aufgrund eines Erbvertrages Ferdinand I. von Habsburg wird er 1540 alleiniger Herrscher. Leider ist er defacto nicht im Besitz des größtenteils von den Türken besetzten Landes.
1541
Die Festung Buda (und damit die Hauptstadt) werden durch die Türken eingenommen. Das ist der Ausgangspunkt einer Dreiteilung des Landes: Ein unabhängiges Fürstentum Siebenbürgen ist tributpflichtig - weitgehend unter ungarischen Fürsten im Osten. Der mittlere Teil des Landes bleibt unter der Türkenherrschaft. Das reduzierte Königreich in Nord- und Westungarn bleibt unter Habsburg.
Die Reformation gewinnt schnell an Territorium. In Siebenbürgen existiert eine religiöse Toleranz. Im mittleren Teil Ungarns bleibt die türkische Obrigkeit indifferent und im mittleren Teil bleibt der Katholizismus im Machtbereich der Habsburger. Die teils starke und erfolgreiche Gegenreform geht von hier aus.
1686
Die kaiserlichen Heere erobern Buda zurück und vertreiben die Türken aus dem Lande. Die Habsburger müssen sich gegen die im Lande entstehenden ungarischen Unabhängigkeitsbewegungen und Aufstände zur Wehr setzen.
1703-1711
Der Fürst Ferenc Rákóczi II. führt einen antihabsburgischen Freiheitskampf.
Aufgrund der anderthalb Jahrhunderte dauernden Türkenherrschaft hat sich die Bevölkerungsstruktur verändert. Jetzt sind die Ungarn - im eigenen Land die größte Volksgruppe - aber doch eine Minderheit.
1740-1780
Kaiserin Maria Theresia modernisiert die Verwaltung, verankert das Schulwesen und zementiert gleichzeitig den wirtschaftlichen Rückstand hinter den westlichen Teilen ihres Kaiserreichs.
1780-1790
Die Reformversuche des aufgeklärten Kaisers Joseph II. scheitern am ständisch-nationalen Wiederstand.
1825-1848
Nationales politisches und kulturelles Erwachen schafft eine Periode der Reformen. Graf István Széchényi wird führende liberale Gestalt der wirtschaftlichen Modernisierung.
1848/49
Beginn der Bürgerliche Revolution und des Unabhängkeitskrieges gegen Österreich unter der politischen Führung von Lajos Kossuth. Es folgt eine russische Intervention gegen die Aufständischen im Sommer 1849, die ungarische Armee kapituliert.
1867 Beginn der dualen Ebene zwischen Österreich und Ungarn durch ausgleichende Maßnahmen des Königreiches. Daraufhin verschärfen sich die Nationalitätenkonflikte. In der ungarischen Reichshälfte beginnt eine Magyarisierung.
1918
Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg beginnt die Bürgerliche Revolution. Die Verhandlungen mit den Nationalitäten sind ergebnislos.
1919
Der Beginn der Räterepublik, während viereinhalb Monaten erste kommunistische Diktatur. Terrorherrschaft. Admiral Miklós Horthy siegt mit einer Gegenrevolution, in der Terror und Vergeltung geübt wurden.
1920
Durch den Friedensvertrag von Trianon wird Ungarn auf etwa einen Drittel seines Territoriums reduziert. Rund drei Millionen Ungarn bleiben außerhalb der neuen Landesgrenzen und geraten in Minderheitsstatus. Alle ungarischen Regierungen hatten sich als Hauptziel gesetzt, die Situation zu revidieren.
1938

Im ersten Wiener Schiedspruch, von Deutschland und Italien gefällt, wird Ungarn das überwiegend von Magyaren bewohnte Gebiet der Südslowakei zurück gegeben.

1939 Die Karpato-Ukraine wird von Ungarn besetzt.
1940 Im Zweiten Wiener Schiedsspruch wird Siebenbürgen zwischen Ungarn und Rumänien aufgeteilt.
1941
Deutschland drückt auf die Teilnahme am Feldzug gegen Jugoslawien. Der Ministerpräsident Pál Teleki verübt Selbstmord. Teile Südungarns werden im Verlauf des Krieges zurück gewonnen. Dann beteiligt sich Ungarn am Krieg gegen die Sowjetunion.
1943 Am Don erleidet Ungarn schwere Verluste.
1944
Die Wehrmacht besetzt Ungarn. Der Versuch, aus dem Krieg auszuscheiden, misslingt. Ungarn wird zum Kriegsschauplatz.
1945
Die Grenze von Trianon wiederhergestellt. Dann demokratischer Neubeginn und Wiederaufbau. Die Kleinlandwirtepartei siegt bei den ersten freien allgemeinen Wahlen mit absoluter Mehrheit. Ein Block der Linken siegt bei den Parlamentswahlen - es sind die von der sowjetischen Besatzungsmacht unterstützten Kommunisten. Alle gegnerischen Parteien wurden vernichtet. Der Weg zur Diktatur war offen.
1948
Errichtung der Einparteienherrschaft. Unter Parteichef Mátyás Rákosi wurde der Stalinismus in Ungarn etabliert. Schauprozesse, die Bevölkerung wurde terrorisiert und die Schwerindustrie forciert bei einem stark sinkendem Lebensstandard.
1953
Imre Nagy als Nationalkommunist wird nach Stalins Tod Ministerpräsident. Aufgrund seiner Maßnahmen wird das Programm der massiven Entwicklung der Schwerindustrieprogramms zurück gefahren und die Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft eingestellt. Rechtssicherheit wird wieder hergestellt. Es beginnt der Machtkampf zwischen Rákosi und Nagy.
1955 Nagy wird vom Posten des Ministerpräsidenten verdrängt.
1956
Auf dem 20. Parteitag der KPdSU beginnt die Entstalinisierung auch in Ungarn. Rákosi wird gestürzt. Es beginnt der ungarische Volksaufstand. Die Mehrparteiendemokratie wird wieder hergestellt. Imre Nagy wird wieder Ministerpräsident. Er kündigt die Mitgliedschaft im Warscher Pakt und deklariert Ungarn als neutrales Land. Die Sowjetarmee interveniert. Unter János Kádár wird eine Marionettenregierung installiert. Mit hunderten von Todesurteilen wurde Vergeltung geübt.
1968
Nach einer Periode der Konsolidierung begann der Kurs der innenpolitischen Versöhnung und des Kompromisses. Ein Reformexperiment, dass in den folgenden Jahren steigenden Lebensstandard erzeugen sollte, begann. Die allmähliche Erweiterung der Freiheitsrechte unter Beibehaltung der Einparteienherrschaft war die Folge.
1972-1974
Unter sowjetischem Druck erfolgte ein schwerer Rückschlag für die Wirtschaftsreform. Entscheidend war die Korrektur erst am Ende des Jahrzehnts. Die Auslandsverschuldung stieg stark.
1988
Károly Grósz löste Kádár an der Parteispitze ab. Die Reformpolitiker bekamen in der Führung die Mehrheit. Opositionsparteien (Ungarisches Demokratische Forum, Bund Freier Demokraten, Jungdemokraten), konstituierten sich. Sie waren vorerst geduldet und wurden dann anerkannt.
1989

Imre Pozsgay gelang es, den "Volksaufstand" an Stelle der parteiamtlichen Bezeichnung "Konterrevolution" zu rehabilitieren. Die KP stimmte dem Mehrparteiensystem zu.

Beginn des Abbruchs des "Eisernen Vorhangs" an der Grenze zu Österreich. Kádár verliert sein letztes Amt als Ehrenpräsident der KP. Feierliche Neubestattung des 1958 hingerichteten Imre Nagy und seiner Mitangeklagten. Kádár stirbt.
Öffnung der Grenze zu Österreich für ostdeutsche Flüchtlinge in Ungarn. Ungarn schafft damit die Voraussetzung dafür, dass tausende DDR-Bürger in den Westen gelangen können. Spaltung der kommunistischen Partei, Károly Grósz wird verdrängt und die Partei gespalten. Die "Arbeitermiliz" wird entwaffnet und aufgelöst.

1990 Das Demokratische Forums siegt über die Freien Demokraten.
Erste nachkommunistische Regierung unter József Antall wird gegründet.
Entnommen: Andreas Oplatka, Der eiserne Vorhang reißt, Verlag NZZ, 1990,
[mit freundlicher Genehmigung des NZZ Verlag Zürich].