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Budapester Rundschau
Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky
Ungarischer Kesselgulasch, gegrilltes Ferkel und Mohnstrudel  

Ungarischer Kesselgulasch, gegrilltes Ferkel und Mohnstrudel
[Rétes]

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Foto: Eigen

 

 

Geschenke fördern die Freundschaft

 

Auszug:

 

Geschenke fördern die Freundschaft "Kleine Aufmerksamkeiten fördern die Freundschaft." So lautet ein Sprichwort, für dessen volkstümlichen Ursprung ich mich allerdings nicht verbürgen kann. Es hört sich eigentlich eher so an, als hätte es der Werbechef einer Exportfirma erfunden. Aber das würde auch nichts an der Wahrheit dieses Spruches ändern. Jawohl, es ist nunmal so, "kleine Aufmerksamkeiten" erhalten und festigen tatsächlich die Freundschaft - und die größeren vielleicht noch mehr....

 

Dies alles kommt mir in den Sinn, weil dieser Tage wieder der Bach des Fremdenverkehr zu plätschern beginnt, und nicht mehr lange, dann wird er - wie jedes Jahr - zum Fluß, zum reißenden Strom anschwellen und die Dämme durchbrechen. Unzählige Ausländer kommen nach Ungarn, und ungarische Touristen fahren ins Ausland, und alle haben sie Freunde dort, wo sie hinfahren. Und falls nicht, dann werden sie bald welche haben. Diese Freundschaften "fördert" man in der Regel durch kleine Geschenke. Auch in Ungarn. Schauen wir uns das einmal näher an.

Nehmen wir zuerst den Fall, wo sich ein Ungarn auf Reisen begibt. Welche Geschenke nimmt er mit? Das ist im Grunde überhaupt kein Problem; denn es läßt sich mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit voraussagen, womit sich der ungarische Reisende zu Hause eindeckt, mit einer Stange nämlich, einer Stange Salami.
Die ungarische Salami ist weltberühmt, wird auf allen Kontinenten gern verzehrt und hat den großen Vorteil, daß sie unterwegs nicht verdirbt und nicht welk wird wie ein Strauß Blumen. Von Nachteil ist allein, daß sie einiges wiegt und viel Platz im Koffer beansprucht.

Doch ein echter Ungarn schreckt auch vor der schwersten Salami nicht zurück. Schwenkten doch schon die alten Ungarn zu Pferde bei ihren Streifzügen durch Europa dicke Keulen in der Hand,wie sollte es da ihren Nachkommen den heutigen ungarischen Touristen, schwerfallen, Europa mit einer Salami-Keule im Koffer zu bereisen? Weitere obligatorische Geschenke eines Ungarn sind: Aprikosenschnaps,
Weinbrandkirschen, Tokajer Wein sowie verschiedene Volkskunstarbeiten, wie gestickte Tischdecken, Hemden, Leibchen, Holzschnitzereien.

Anspruchsvollere Gemüter schenken anspruchsvolleren Freunden Herender Porzellan, obwohl man dabei oft auf größere Schwierigkeiten stößt: Herender Porzellan ist begehrter Exportartikel und in ungarischen Geschäften seltener erhältlich als im Ausland.

Ich hoffe, es klingt nicht allzu überheblich, wenn ich behaupte, daß wir Ungarn sehr gern schenken. Vielleicht liegt das unter anderem auch daran, daß wir - mit Devisen nicht eben reich gesegnet, wie jeder weiß - wenigstens mit unseren Geschenken Eindruck machen wollen. Andererseits ist es auch kein Geheimnis, daß der Ungar nicht nur gerne schenkt, sondern nicht minder gern Geschenke entgegennimmt. Die ganze Familie ist hocherfreut, wenn aus dem Koffer des ausländischen Besuchers irgendeine "Aufmerksamkeit", eine kleinere oder größere Überraschung zum Vorschein kommt. Ich will damit keineswegs sagen, daß wir stets auf Geschenke aus sind, doch - wie soll ich mich ausdrücken - weisen wir sie auch nicht gern zurück.

Natürlich spielt es auch eine Rolle, welcher Art das Geschenk ist. Die Kinkerlitzchenperiode haben wir nämlich längst hinter uns, ich meine jene Zeit, als sich unsere Landsleute für jederlei Ausschußware wie billige Kugelschreiber und ähnliches zu begeistern vermochten. Wir haben auch die Kaffee- und Teeperiode überwunden, denn diese Kolonialwaren - im Gegensatz zu früheren Zeiten - sind bei uns kaum teurer als anderswo und in der Qualität nicht schlechter. Die Periode folkloristischer Freuden hingegen steht noch aus, das heißt, wir sind noch nicht so weit, um auch der edlen Leidenschaft des Sammelns ausländischer Volkskunstraritäten zu frönen. Nach alledem sollte ich vielleicht auch verraten, über welche Geschenke wir Ungarn uns freuen, was unsere Freunde uns mitbringen könnten! Aber schickt es sich denn, über soetwas zu sprechen?
 
Sándor Novobáczky

 


Budapester Rundschau - Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky - Glossen zweier ungarischer Journalisten aus "Budapester Rundschau" seit 1971

 



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Die Veröffentlichung der Auszüge erfolgt mir freundlicher Genehmigung des Pesterlloyd, Budapest.