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Ungarn - nicht nur Paprika und Piroska


Evelin Oertelt: "Ungarn - nicht nur Paprika und Piroska". Gabriele-Schäfer-Verlag Herne. 210 Seiten, ca. 16 Euro, ISBN 3-933337-33-X.
 

Zitat:
"Evelin Oertelt ist journalistisch im Kulturbereich tätig, schreibt aber auch Gedichte, Kurzgeschichten und lyrische Prosa. Seit sie und ihr Mann einem "Immobilien- schnäppchen am Balaton" nicht widerstehen konnten, wurde Ungarn zur zweiten Heimat.

Augenzwinkernd und mit hintersin- nigem Wortwitz lässt die Autorin ihre Leser teilhaben an ihrem deutsch-magyarischen Spagat und zoomt Alltägliches, Skurilles, allzu Vertrau- tes und Unbekanntes außerhalb touristischer Sichtweise heran.

Wer weiß beispielsweise, dass ungarische Frauen mit der Heirat nicht nur den Nachnamen, sondern auch ihren Vornamen verlieren".

 

 

Das Wella-Haarstudio und sein spezielles Damenprogramm

 

 

Eine Leseprobe aus ihrem Ungarnbuch "Ungarn - nicht nur Paprika und Piroska":

 

Der Figaro des pikfeinen, neuen „Haarzentrums“ nennt mich – wie Anna – „Äwälin“, verbreitet Exklusivität, spricht recht gut deutsch und hört sich meine Frisurwünsche geduldig an. Dann greift er zu Kamm und Schere und legt los.

„Hinten wie kurz?“, werde ich noch einmal gefragt.

„Vorne bis hier“, antworte ich und deute mit der Hand die gewünschte Kinnlänge an, „aber hinten schräg hoch, diagonalisch.“

„Värstähe!“ Plötzlich spüre ich die Haarschneidemaschine am Hinterkopf und komme mir vor wie der Rasen unter unseren frisch reparierten Mäher. Habe ich mich falsch ausgedrückt? Es sollten schon noch Haare dran bleiben! Ich muss mich hinstellen und den Kopf senken. Dann wieder setzen. Es wird geföhnt, gekämmt, gebürstet, leicht antoupiert, gesprüht und der Spiegel gereicht. Ich bin überwältigt.

Exakt geschnitten, tolle Frisur und ein Lob des Meisters:
„Sähr schönes Haar, sähr schöne Farbe. Naturblond!“
Wie hieß es in Deutschland stets mit vorwurfsvollem Unterton? „Oh, sie haben aber dünnes Haar! Und so eine hohe Stirn.“
Ich spare nicht mit Lob, was dem Chef des Haarstudios eine Zugabe abnötigt. Er ruft sein Lehrmädchen, und dieses nimmt auf sein Geheiß hin (etwas unwillig wie mir scheint) Platz.
„Äwälin können Sie machen modisches Extra. Ich zeige.“

Er nimmt den Stielkamm, setzt ihn im rechten Winkel auf und zieht mit der Spitze so unsanft ein Zickzack-Muster auf den Oberkopf seiner Mitarbeiterin, dass diese quiekt wie ein Ferkelchen und im Frisierstuhl immer kleiner wird.


„Das arme Ding“, denke ich, doch ihr Martyrium ist noch nicht beendet, als das Haar im modischen Look fällt.

„Kommen Sie, Äwälin“, bittet er mich, hält mir einladend den Kamm hin und strubbelt den Schopf des ängstlich blickenden Mädchens wieder durcheinander. „Ich auch?“ So vorsichtig wie möglich zaubere ich das gewünschte Muster und atme auf. Doch der Meister ist nicht ganz zufrieden.

„Ich zeige noch einmal“, sagt er bestimmt.
Sein Modell wird zunehmend panisch, hält die Hände schützend über die Kopf, und meine Erklärung, dass ich alles prima verstanden habe, kommt um Bruchteile von Sekunden zu spät. Während die Metallspitze erneut im 90 Grad-Winkel die Kopfhaut ritzt, um den Haaren zu einem gekonnt wirren Aussehen zu verhelfen, trifft mich ein flehender Blick.

Mit dem Satz „Ja, so ist es wirklich prima. Danke schön, ich werde das zu Hause nachmachen.“ versuche ich, diese ungewöhnliche Unterrichtsstunde zu beenden.

Einen Moment ist der Coiffeur unschlüssig, doch dann wendet er sich mit Bedauern im Blick von der hohen Schule der Frisierkunst ab und der Kasse zu. Ich bezahle den äußerst günstigen Preis und beschließe, trotz der Sado-Maso-Einlage beim nächsten Mal wiederzukommen.

 

 

Website von Evelin Oertelt, und ihr satirisches Buch über Ungarn